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| Aufruf des Oberbürgermeisters Leiling, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 16. |
Speyer am Kriegsende 1945: Anhand einer im Stadtarchiv Speyer vorliegenden Quelle wird ab sofort ein Einblick in die Zeit unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs in Speyer gegeben: Bericht (März 1945 bis Mitte 1946) von Dr. Richard Mandler (Stadtarchiv Speyer, Bestand 191-2, Nr. 303). Es bloggen für das Stadtarchiv: Ellen Grünenwald/Kim Harmel (03-04, 2014); Michaela Hayer (05-08, 2014); Doreen Kelimes/Christian Hellmann (09-12, 2014); Doreen Kelimes (ab Januar 2015).
Freitag, 11. April 2014
13. April 1945: Bekanntmachung des Oberbürgermeisters
Der folgende Aufruf stammt vom 13. April und fällt somit in den Zeitrahmen, den Dr. Richard Mandler in seinem Bericht vom 9. April beschreibt. Obwohl er den Aufruf nicht explizit thematisiert, stellt dieser doch eine weitere interessante Quelle dar, die einen Einblick in die direkte Speyerer Nachkriegszeit ermöglicht.
Mittwoch, 9. April 2014
9. April 1945: Abgabe von Waffen, Munition und Radio-Apparaten
Die folgende Berichterstattung notierte Dr. Richard Mantler zwar zum 9. April 1945, es scheint sich jedoch um eine Zusammenschrift von Ereignisse zu handeln, die sich über mehrere Wochen erstreckten. Wir erhalten dadurch ein wertvolles Stimmungsbild der Zeit.
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| Ankündigung des Oberbürgermeisters, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr.13. |
Am Montag, den 9. April, waren alle Rundfunkgeräte abzuliefern. Sie wurden im Sitzungssaal und Trausaal des Stadthauses hoch aufgestapelt, Truppenangehörige – auch solche, die nicht mehr in Speyer lagen, fanden sich ein, suchten die besten heraus und fuhren sie ab trotz des Verbots der Militärregierung, das ihnen von städt. Organen mündlich und schriftlich eröffnet wurde. Der Rest, zumeist leere Gehäuse, wurde gegen Ende Juni wieder an die Bevölkerung nach und nach ausgegeben, wobei Anhänger der Kommunisten scharf darüber wachten, dass ja kein „Nazi“ einen Apparat erhalte. Bevorzugt wurden selbstverständlich Antifaschisten, alte und blinde Leute und Schwerkriegsbeschädigte. Die Polizeigewalt geriet wesentlich in Hand von Linksradikalen. Das führte vor allem beim Beschlagnahmen von Fahrrädern für die Besatzung zu viel Klagen. Auch setzten sie sich im Wohnungsamt fest, beschlagnahmten Wohnungen und Möbel, die sie weisungsgemäss Besatzungsangehörigen, aber auch ihnen nahestehenden Antifaschisten zur Verfügung stellen. Monatelang fuhren die Pritschenwagen mit Möbelstücken durch die Strassen. Schwarze Listen wurden angefertigt und kein Mensch fühlte sich sicher, ob er nicht auch darin stehe. Im grossem Masstab wurden Verhaftungen vorgenommen und die Naziverdächtigen nach Bruchsal in die Räume des Zuchthauses oder nach Landau verbracht, wo sie in einer Art KZ-Haft gehalten wurden. Später wurden viele wieder entlassen, andere kamen in die Lager nach Wörth. Begreiflicherweise ging es bei alledem nicht immer ohne Missgriffe zu, die Stimmung in der Armee war infolge der Erlebnisse in ihrer Heimat vielfach noch recht erbost und das machte sich irgendwie geltend. Viel Unruhe brachte nächtliches Schiessen in den Strassen der Stadt, das aber nicht so sehr eine Bedrohung sein sollte, als einen Unfug darstellte.
Beschlagnahmt wurde in dieser Zeit viel, was in Lagern noch vorhanden war, ausgeräumt, so in den Brauereien, im Schlachthof, in der Kurpfalzsektkellerei, in den Zigarrenfabriken u.s.f. Erst als die Militärregierung die Aufstellung von Militärposten vor besonders gefährdeten Gebäulichkeiten veranlasste, wurde es mählich besser. Bei der Stadtverwaltung wurde ein Requisitionsamt eingerichtet, das für die Erledigung der Besatzungsaufträge zu sorgen hatte, Verpflegung, Zivilanzüge, Matratzen, Möbel, Teller und Bestecke, Tischdecken, Aschenbecher, Gesellschaftsspiele, Bettücher, Klubsessel, Teppiche, Handtücher, Rasierapparate, Nachttöpfe usw., kurzum alle Bedürfnisse des häuslichen Leben in Büros, Privatunterkünften und Heimen aller Art. Viele, sehr viele harte Eingriffe waren dabei unvermeidlich.
Gleich nach dem Bau der Schiffbrücke wurde durch die Franzosen ein „ Centre d´aceueil des prisonniers et déporteés liberés par la lére Armee Francaise“ eröffnet mit Auffang- und Durchgangslagern im Gymnasium, in der Realschule, im Regierungsgebäude und in der Staatserziehungsanstalt, die alle frisch gestrichen und gut ausgestattet werden mussten mit Betten, Gesellschaftsräumen usw. auch mit Schildchen in blau-weiss-roter Beschriftung, Fahnen und Wimpeln, begrüssenden Inschriften, lautsprechende Radios u.s.f. Dies und die Verpflegung erforderten fortlaufend hohe Geldaufwendungen. Zehntausende wurden im Laufe von Monaten in diesen Durchgangslagern abgefertigt. Zu ihrem Empfang war die neue - übrigens nicht ausfahrbare - Schiffbrücke mit blau-weiss-roten Fahnen behängt, das ganze Rheinufer aber mit Stacheldraht abgesperrt vom alten Hafen bis zur neuen Brücke und von Posten bewacht. Diese Schiffbrücke wurde der allmählich einsetzenden Schifffahrt wegen am 14. Juli wieder abgefahren, so dass die Rheinhäuser Fähre die einzige Verbindung Speyers mit dem Überrheinischen war. Aber nur für Leute, die einen Laisser-passer bekamen.
Montag, 7. April 2014
7. April: Die Brotvorräte gehen in Speyer zu Ende - "sonst war nichts zu haben"
Wie sich bereits in der vergangenen Woche abzeichnete, nimmt die Dichte der Einträge etwas ab. Dies gilt auch für die folgenden Tage. Daneben ist zu beobachten, dass die Berichte nicht mehr so detailliert sind, wie dies zu Anfang der Fall war. Wir werden trotzdem die tageweise Form der Einträge im Bericht von Richard Mandler beibehalten! Der Text ist weiterhin spannend und aufschlussreich!
Der Eintrag zum 7. April 1945:
Am Samstag, 7. April, gingen die Brotvorräte zu Ende, die Bäckereien waren nach wie vor geschlossen. Im städtischen Gutshof holte die Bevölkerung Vollmilch. Die Molkerei stand still. Sonst war nichts zu haben.
Am Samstag, 7. April, gingen die Brotvorräte zu Ende, die Bäckereien waren nach wie vor geschlossen. Im städtischen Gutshof holte die Bevölkerung Vollmilch. Die Molkerei stand still. Sonst war nichts zu haben.
Donnerstag, 3. April 2014
Die französische Pontonbrücke wird errichtet
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| Französische Pontonbrücke, Stadtarchiv Speyer, Fotosammlung, Nr. 023459. |
In der Nacht zum Dienstag, den 3. April, schlugen die Franzosen eine Schiffbrücke über den Rhein an der Stelle, an der die frühere lag. Der Heerwurm der 1. Französischen Armee wartete schon, dass er hinüber könne. Der Oberbürgermeister musste währenddessen bei der Kommandostelle im Finanzamtsgebäude verbleiben.
Update: Ein Foto (Luftbild!) der zerstörten Rheinbrücke samt Pontonbrücke findet sich unter diesem Link!
Mittwoch, 2. April 2014
Bevor morgen ein neuer Eintrag folgt, hier schon ein kleiner Ausblick
Um das Warten auf den morgigen Eintrag zu verkürzen, posten wir heute schon ein Bild, welches auf das morgige Ereignis schließen lässt.
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| Stadtarchiv Speyer, Fotosammlung Nr. 014562. |
31. März 1945: Die Reaktion auf die Plünderungen
Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Tagen fällt der Bericht zum heutigen Tag sehr kurz aus. Richard Mandler berichtet:
Am 31. III. liess die Militärregierung durch den Oberbürgermeister Plakate anschlagen und schärfste Ahndung von Plünderungen androhen.
Dafür hat sich das Plakat, auf welches er Bezug nimmt, erhalten.
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| Plakat bezügl. der Plünderungen, Stadtarchiv Speyer, Fotosammlung Nr. 002035. |
30. März 1945: Staatspräsident General de Gaulle in Speyer
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| Staatspräsident Charles de Gaulle in Speyer, Stadtarchiv Speyer, Fotosammlung, Nr. 000665. |
Die Franzosen übernahmen am Karfreitag, 30. März, die Befehlsgewalt in Speyer. Am Nachmittag musste aus militärischen Sicherheitsgründen der Hasenpfuhl über dem Speyerbach vollständig geräumt werden. Darüber war grosses Wehklagen. Überstürzter Auszug mit Sack und Pack. Nach drei Tagen durften die Leute wieder einziehen. In grossem Ausmass wurden am Karfreitag und über die Ostertage die Schuhläden, Konfektionshäuser und Lebensmittellager sowie verschiedene Amtsstellen geplündert. Daran beteiligten sich besonders auch fremdvölkische Arbeiter und deutscher Mob. Wie die Ratten kamen sie aus ihren Löchern gequollen. Aus der Landesversicherung, Kreisleitung, NSV-Dienststelle usw. wurden Schreibmaschinen, Büromöbel, Läuferteppiche, Fussabstreifer usw. mitgenommen, sowie alles was brauchbar schien.
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| Parade der französichen Truppen auf der Maximilianstraße, Stadtarchiv Speyer, Fotosammlung, Nr. 018569. |
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