Speyer am Kriegsende 1945: Anhand einer im Stadtarchiv Speyer vorliegenden Quelle wird ab sofort ein Einblick in die Zeit unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs in Speyer gegeben: Bericht (März 1945 bis Mitte 1946) von Dr. Richard Mandler (Stadtarchiv Speyer, Bestand 191-2, Nr. 303). Es bloggen für das Stadtarchiv: Ellen Grünenwald/Kim Harmel (03-04, 2014); Michaela Hayer (05-08, 2014); Doreen Kelimes/Christian Hellmann (09-12, 2014); Doreen Kelimes (ab Januar 2015).
Montag, 4. August 2014
4. August 1945: Schuldfrage
Anfang August wurde die Trikolore auf die Altpörtelspitze gepflanzt. In den ersten drei Tagen wurden zwei Fahnen vom Sturm zerfetzt und eine Zeitlang konnte sie nicht erneuert werden, bis es gelang, sturmfesteres Material zu beschaffen. Zur gleichen Zeit kamen Plakate in allen Schaufenstern zum Aushang, die unter den Überschriften „Wessen Schuld?“ und „Diese Schandtaten – Eure Schuld“ greuliche Bilder aus Konzentrationslagern brachten und das ganze deutsche Volk für die Brutalitäten der SS und Gestapo schuldig sprechen sollten. Nachdem sie ein Vierteljahr gehängt hatten, durften sie durch die Polizei wieder eingesammelt werden. Zur Illustration wurden einige bedauernswerte Gestalten von halbverhungerten Deportierten hierher in die Staatserziehungsanstalt gebracht und dort in Pflege genommen.
Mittwoch, 23. Juli 2014
23. Juli 1945: Lebensmittelkarten und Verbot der Weinbeförderung
Heute geht es weiter mit einem Tagebucheintrag von Dr. Mandler. Zudem ein Erlass des Oberbürgermeisters Leiling, der die Beförderung von Wein von der linken zur rechten Rheinseite verbietet.
Ende Juli wurde nach und nach mit der elektrischen
Strassenbeleuchtung wieder begonnen – nach Jahren völliger Dunkelheit!
Die ganze Zeit über wurde an den Plakatstellen die
Lebensmittelkartenausgabe bekanntgegeben, anfänglich in der Regel wöchentlich.
Ab 23. Juli konnten erstmals wieder Verpflegungsstationen auf vier Wochen
geplant werden. Die Hausfrauen atmeten auf. Auch die Sätze wurden, wenigstens
auf dem Papier erhöht. Gab es bisher ganz wenig Brot, gar keinen Zucker, keine
Nährmittel, kein Öl, wenig Fett, kein Fleisch, keine Waschmittel mehr, so
wurden nun wöchentlich 3 Pfund Brot (statt zuletzt 2 Pfund), 200 g Zucker (der
aber nach zwei Perioden wieder erschöpft war), 62,25 g Butter für 14 Tage (statt
15,125 g oder gar keine bisher), 50 g Öl für 14 Tage, 100 g Fleisch die Woche
u.s.w. angekündigt. Der Zucker wurde allerdings nach zwei Wochen beschlagnahmt.
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| Verbot zur Beförderung von Wein, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 55. |
Donnerstag, 17. Juli 2014
14. Juli 1945: Erste Spur eines Gemeinschaftslebens
Ein bisschen verspätet zum 14. Juli ein Eintrag aus dem Tagebuch Mandlers sowie Anschläge des Oberbürgermeisters:
Die erste Spur eines Gemeinschaftslebens zeigte sich im Juli, als die protestantische Kirchengemeinde in der Gedächtniskirche wieder Geistliche Abendmusiken veranstaltete, die gut besucht waren.
Die erste Spur eines Gemeinschaftslebens zeigte sich im Juli, als die protestantische Kirchengemeinde in der Gedächtniskirche wieder Geistliche Abendmusiken veranstaltete, die gut besucht waren.
Am 14. Juli feierten die Franzosen im Hof des Gymnasiums ihr
nationales Volksfest. Nachmittags begannen die Sprengungen der in der Fahrrinne
liegenden Brückenreste durch die Amerikaner.
Schreib- und Rechenmaschinen mussten bei der Polizei
angemeldet werden und wurden dann von der Besatzung beschlagnahmt. Die
Militärregierung wurde aus der Post ins Gebäude der Landesversicherung verlegt.
An der Post waren ausser der französischen noch die Fahnen Grossbritaniens und
Amerikas ausgehängt, an der Landesversicherung nur noch französische Farben.
Wie zu erwarten, wurde zunächst strenge regiert. Der
Vorstand des Requisitionsamtes, Herrgen, wurde vom Militärgericht mit 1000.-
RM Strafe belegt, weil er Servietten
einen Tag zu spät ablieferte. Sprengart vom Stadtbauamt wurde mit 1000.- RM
bestraft, weil 4 Ping- Pong-Tische fürs
Foyer des Zuaves einen Tag zu spät geliefert wurden. Der Schreiner hatte kein Holz.
Auf der Hauptstrasse wurde im Schuhhaus Glaser eine
„Centrale de documentation de la lére Armée Francaise“ (ein
Zeitungsladen) errichtet.
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| Erlass des Oberbürgermeisters, Stadtarchiv Speyer, 237, Nr. 47. |
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| Im Auftrag der Militärregierung, Stadtarchiv Speyer, 237, Nr. 51. |
Mittwoch, 25. Juni 2014
25. Juni 1945: Abgabe von nationalsozialistischen Büchern
Am 25. Juni 1945 erging der Erlass, dass alle nationalsozialistischen sowie gegen die Verbündeten gerichteten Bücher im Rathaus abgegeben werden müssen.
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| Anordnung des Oberbürgermeisters, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 42. |
Montag, 16. Juni 2014
16. Juni 1945: Nachrichten
In den Beständen des Stadtarchivs lässt sich auch ein Dokument finden mit einigen tagesaktuellen Nachrichten vom 16. Juni 1945. Diese beziehen sich zwar nicht auf Speyer, werfen aber einen kleinen Blick darauf, was an diesem Tag im Rest von Deutschland bzw. der Welt vor sich ging.
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| Nachrichten des 16. Juni 1945, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 38. |
Mittwoch, 11. Juni 2014
11. Juni 1945: Zur Unterbindung der Felddiebstähle
Zur Unterbindung der Felddiebstähle erließ Oberbürgermeister Leiling im Auftrag der Militärregierung am 11. Juni 1945 die Anordnung, dass Personen, die weder ein Grundstück besitzen, noch für einen Pächter arbeiten, die Feldwege nicht betreten durften. Zuwiderhandlungen wurden dem "Tribunal Sommaire Militaire de Gouvernement Militaire de Spire" gemeldet.
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| Anordnung des Oberbügermeisters, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 37. |
Mittwoch, 4. Juni 2014
4. Juni 1945: Der Müll kommt weg!
Ab dem 4. Juni 1945 nahm die Müllabfuhr in Speyer ihre Tätigkeit wieder auf! Wer außerhalb wohnte, hatte erst einmal das Nachsehen, da diese Bezirke noch nicht abgedeckt wurden.
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| Ankündigung des Oberbürgermeisters, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 33. |
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