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| Aufruf des Oberbürgermeisters Leiling, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 63. |
Speyer am Kriegsende 1945: Anhand einer im Stadtarchiv Speyer vorliegenden Quelle wird ab sofort ein Einblick in die Zeit unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs in Speyer gegeben: Bericht (März 1945 bis Mitte 1946) von Dr. Richard Mandler (Stadtarchiv Speyer, Bestand 191-2, Nr. 303). Es bloggen für das Stadtarchiv: Ellen Grünenwald/Kim Harmel (03-04, 2014); Michaela Hayer (05-08, 2014); Doreen Kelimes/Christian Hellmann (09-12, 2014); Doreen Kelimes (ab Januar 2015).
Sonntag, 7. September 2014
7. September 1945: Brennholz
Der Aufruf vom 7. September 1945 wurde an alle männlichen Einwohner der Stadt Speyer im Alter von 16 bis 60 Jahren gerichtet. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz für den Winterbedarf sicher zustellen, sind dringende Sofortmaßnahmen notwendig.
Freitag, 5. September 2014
5. September 1945: Lebensmittelpreise
Mit der Bekanntmachung vom 5. September 1945 wird vom Landrat im Auftrage der Militärregierung festgelegt, dass die Preise aller Artikel und Lebensmittel, die Gegenstand kaufmännischer oder nicht kaufmännischer Transaktionen sind, ausschließlich mit Reichsmark auszuzeichnen sind.
| Amtliche Bekanntmachung im Auftrage der Militärregierung, | |||||||
| Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 62 |
Donnerstag, 4. September 2014
1. September 1945: Postkarten und Gasbezug
Im September rührte sich endlich einiges Leben. Zwar waren
immer noch keine Geschäfte, ausser den Lebensmittelgeschäften, geöffnet. In den
anderen konnte man nur von hintenherum vorsprechen, um zu erfahren, dass nichts
da sei. Aber am 1. September wurde im Gebiet Pfalz-Rheinhessen der „beschränkte
zivile Postverkehr“ zugelassen. Es durften zunächst nur Postkarten mit
10 Zeilen Text geschrieben werden. Ein Postschalter war geöffnet. Drei Tage
später wurde der beschränkte zivile Postverkehr auf die Gebiete Saarbrücken,
Koblenz und Trier ausgedehnt. Der Gasbezug
wurde derart geregelt, dass täglich 1 ¾ Stunde mittags und 1 ¼ Stunde abends
Gas abgegeben wurde. Jeder 4. Tag war Sperrtag. Für die Metzger und Bäcker gab
es Kohle, auch für einige Betriebe und Anstalten. Nicht aber für
Private, ausser Besatzungsangehörigen. Am 10. September wurde das Postscheckamt
Ludwigshafen wieder eröffnet.
Sonntag, 24. August 2014
24. August 1945: Registrierung (und Beschlagnahmung) von Fahrrädern
Das Tagebuch führt dazu aus: Ende August waren alle Räder im Hof der Rossmarktschule vorzuführen
und registrieren zu lassen, wobei 300 Fahrräder beschlagnahmt wurden. Eine
einschneidende Maßnahme, die, wie verlautete, einem Auftrag der Besatzung
entsprach. Die Räder sollten angeblich für Bergarbeiter in Frankreich bestimmt
sein. Der Kreis Speyer hatte eine ähnliche Auflage zu erfüllen.
Der hierzu passende zweisprachige Anschlag datiert vom 24. August 1945 (Stadtarchiv Speyer, Bestand 237-2 Nr. 58):
Montag, 4. August 2014
4. August 1945: Schuldfrage
Anfang August wurde die Trikolore auf die Altpörtelspitze gepflanzt. In den ersten drei Tagen wurden zwei Fahnen vom Sturm zerfetzt und eine Zeitlang konnte sie nicht erneuert werden, bis es gelang, sturmfesteres Material zu beschaffen. Zur gleichen Zeit kamen Plakate in allen Schaufenstern zum Aushang, die unter den Überschriften „Wessen Schuld?“ und „Diese Schandtaten – Eure Schuld“ greuliche Bilder aus Konzentrationslagern brachten und das ganze deutsche Volk für die Brutalitäten der SS und Gestapo schuldig sprechen sollten. Nachdem sie ein Vierteljahr gehängt hatten, durften sie durch die Polizei wieder eingesammelt werden. Zur Illustration wurden einige bedauernswerte Gestalten von halbverhungerten Deportierten hierher in die Staatserziehungsanstalt gebracht und dort in Pflege genommen.
Mittwoch, 23. Juli 2014
23. Juli 1945: Lebensmittelkarten und Verbot der Weinbeförderung
Heute geht es weiter mit einem Tagebucheintrag von Dr. Mandler. Zudem ein Erlass des Oberbürgermeisters Leiling, der die Beförderung von Wein von der linken zur rechten Rheinseite verbietet.
Ende Juli wurde nach und nach mit der elektrischen
Strassenbeleuchtung wieder begonnen – nach Jahren völliger Dunkelheit!
Die ganze Zeit über wurde an den Plakatstellen die
Lebensmittelkartenausgabe bekanntgegeben, anfänglich in der Regel wöchentlich.
Ab 23. Juli konnten erstmals wieder Verpflegungsstationen auf vier Wochen
geplant werden. Die Hausfrauen atmeten auf. Auch die Sätze wurden, wenigstens
auf dem Papier erhöht. Gab es bisher ganz wenig Brot, gar keinen Zucker, keine
Nährmittel, kein Öl, wenig Fett, kein Fleisch, keine Waschmittel mehr, so
wurden nun wöchentlich 3 Pfund Brot (statt zuletzt 2 Pfund), 200 g Zucker (der
aber nach zwei Perioden wieder erschöpft war), 62,25 g Butter für 14 Tage (statt
15,125 g oder gar keine bisher), 50 g Öl für 14 Tage, 100 g Fleisch die Woche
u.s.w. angekündigt. Der Zucker wurde allerdings nach zwei Wochen beschlagnahmt.
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| Verbot zur Beförderung von Wein, Stadtarchiv Speyer, 237-2, Nr. 55. |
Donnerstag, 17. Juli 2014
14. Juli 1945: Erste Spur eines Gemeinschaftslebens
Ein bisschen verspätet zum 14. Juli ein Eintrag aus dem Tagebuch Mandlers sowie Anschläge des Oberbürgermeisters:
Die erste Spur eines Gemeinschaftslebens zeigte sich im Juli, als die protestantische Kirchengemeinde in der Gedächtniskirche wieder Geistliche Abendmusiken veranstaltete, die gut besucht waren.
Die erste Spur eines Gemeinschaftslebens zeigte sich im Juli, als die protestantische Kirchengemeinde in der Gedächtniskirche wieder Geistliche Abendmusiken veranstaltete, die gut besucht waren.
Am 14. Juli feierten die Franzosen im Hof des Gymnasiums ihr
nationales Volksfest. Nachmittags begannen die Sprengungen der in der Fahrrinne
liegenden Brückenreste durch die Amerikaner.
Schreib- und Rechenmaschinen mussten bei der Polizei
angemeldet werden und wurden dann von der Besatzung beschlagnahmt. Die
Militärregierung wurde aus der Post ins Gebäude der Landesversicherung verlegt.
An der Post waren ausser der französischen noch die Fahnen Grossbritaniens und
Amerikas ausgehängt, an der Landesversicherung nur noch französische Farben.
Wie zu erwarten, wurde zunächst strenge regiert. Der
Vorstand des Requisitionsamtes, Herrgen, wurde vom Militärgericht mit 1000.-
RM Strafe belegt, weil er Servietten
einen Tag zu spät ablieferte. Sprengart vom Stadtbauamt wurde mit 1000.- RM
bestraft, weil 4 Ping- Pong-Tische fürs
Foyer des Zuaves einen Tag zu spät geliefert wurden. Der Schreiner hatte kein Holz.
Auf der Hauptstrasse wurde im Schuhhaus Glaser eine
„Centrale de documentation de la lére Armée Francaise“ (ein
Zeitungsladen) errichtet.
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| Erlass des Oberbürgermeisters, Stadtarchiv Speyer, 237, Nr. 47. |
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| Im Auftrag der Militärregierung, Stadtarchiv Speyer, 237, Nr. 51. |
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